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BGM: Erfolgreich durch qualifizierte Fachkräfte

Betriebliches Gesundheitsmanagement ist nach wie vor aktuell: Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels sind Betriebe auf motivierte, qualifizierte und gesunde Mitarbeiter angewiesen, um konkurrenzfähig zu bleiben. Deshalb ist BGM keine reine Image-Maßnahme, sondern für unser wichtigstes Gut: die Gesundheit.

Auch kleine und mittelständische Betriebe haben das verstanden und zeigen zunehmend Ambitionen, ein betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) aufzubauen – limitiert sind sie meist durch finanzielle und personelle Ressourcen. Dabei besteht, neben externen Dienstleistern oder Fachpersonal, auch die Möglichkeit das bestehende Personal für BGM zu qualifizieren.

Fachwissen ist unverzichtbar

Die Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten sind vielfältig und bieten eine solide Basis für den Aufbau betriebsinterner Ressourcen – ohne allzu teuer zu sein. Die Qualifikation interner Fachkräfte erfreut sich einer regen Nachfrage und scheint, neuesten Studien zufolge, interessanter zu sein, als externe Ressourcen zu nutzen (Institut für Betriebliche Gesundheitsberatung GmbH & Techniker Krankenkasse; 2017). Wie in nahezu jeder Branche, gibt es auch beim betrieblichen Gesundheitsmanagement klassische Werdegänge. Der Zugang ist nicht beschränkt und so steht der Weg ins BGM nicht nur Mitarbeitern aus dem Personalresort oder Sportwissenschaftlern offen.

Viele Wege führen zur Qualifikation

Aufgrund der vielfältigen Aufgaben, muss ein BGM-Verantwortlicher zahlreiche Disziplinen in Personalunion vereinen – spezifische Expertise in einem Bereich schadet nicht, ist aber auch keine zwingende Voraussetzung. Begeisterung für Gesundheit, Organisationstalent, Management Know-how und Kommunikationsstärke allerdings schon. Vieles weitere, sei es zu BGM oder betrieblicher Gesundheitsförderung (BGF), können sich künftige BGM-Manager aneignen. Dafür gibt es zahlreiche Angebote im Präsenz- und Fernunterricht sowie auf Fort-, Weiterbildungs-, oder auch Hochschulniveau.

Welche Qualifikation passt, muss jeder Betrieb für sich entscheiden. Neben eigenen Abschlüssen von Bildungsanbietern gibt es zudem auch IHK-Zertifikatslehrgänge, die meist in Kooperation mit den Industrie- und Handelskammern angeboten werden. Eine weitere Möglichkeit ist es, duale Bachelorstudenten einzustellen, die ihre ersten beruflichen Erfahrungen parallel zum Studium im Betrieb erlangen. Dabei gilt es darauf zu achten, dass betriebliches Gesundheitsmanagement in ausreichendem Umfang im Studium behandelt wird. Noch besser: erste Berufserfahrung im BGM.

BBGM: Zertifizierte Qualitätsstandards

Die steigende Zahl von Weiterbildungen und Hochschulstudiengängen macht eine Einordnung der Bewerberqualität anhand der erlangten Qualifikation sehr schwierig. Für mehr Transparenz setzt sich der Bundesverband Betriebliches Gesundheitsmanagement e.V. (BBGM) ein.  Der Verband hat inhaltliche Mindeststandards definiert und bietet Interessierten zwei unterschiedliche Zertifizierungen an: zur Fachkraft Betriebliches Gesundheitsmanagement und zum Betrieblichen Gesundheitsmanager. Wer diese Zertifikate erlangen will, muss nach einem Studium oder einer Aus-, Fort-, Weiterbildung noch gesonderte Verbandsprüfungen bestehen, die von BBGM-akkreditierten Bildungsanbietern umgesetzt werden.

In der Regel dauert die Ausbildung zum BGM-Manager mehrere Monate, die Ausbildung zum BGM-Multiplikator jedoch nur wenige Tage. Dabei werden ausgewählte Mitarbeiter i.d.R. mit Gesundheitsaffinität und gutem Draht zu den Kollegen geschult, das BGM-Konzept in ihre Abteilungen hereinzutragen und Kollegen zu motivieren, an Gesundheitsangeboten teilzunehmen. Multiplikatoren agieren somit als verlängerter Arm eines internen oder externen BGM-Managers.

Erforderliche Methoden und Kompetenzen

Deutlich anspruchsvoller sind die Aus- und Weiterbildungen zum BGM-Manager. Die wichtigsten Inhalte sind dabei laut BBGM arbeitswissenschaftliche, gesetzliche und medizinische Grundlagen, Wissen zu Gesundheitspolitik und -markt, Management-Kompetenzen sowie natürlich die Grundlagen des betrieblichen Gesundheitsmanagements. Zur Erlangung von Methoden schlägt der Verband zudem Inhalte wie die strategische, taktische und operative Planung, qualitative und quantitative Analysemethoden, Ableitung konkreter Ziele und Maßnahmen, Qualitätssicherung, Evaluation und Nachhaltigkeitssicherung sowie Dokumentation und Informationsweiterleitung vor. (Bundesverband Betriebliches Gesundheitsmanagement e.V., 2017).

Wege, sich zum betrieblichen Gesundheitsmanager zu qualifizieren, gibt es viele. Doch für die erfolgreiche Implementierung von BGM sind die genannten Markt- und Fachkompetenzen unbedingt als Mindeststandard zu verstehen. Fehlen sie bei den Verantwortlichen, stellt sich das als ein zentrales Hindernis bei der BGM-Einführung dar.

Einordnung in betriebliche Praxis

Erfolgreiches BGM erfordert umfangreiche Investitionen, nicht zuletzt in das dafür erforderliche Personal, das in Form interner Mitarbeiter oder externer Dienstleister eingekauft werden kann. In der betrieblichen Praxis ist jedoch immer wieder festzustellen, dass handelnde Akteure nicht spezifisch qualifiziert sind oder BGM nicht als Kerngeschäft betreiben – so ist auch nur in jeder sechsten Organisation eine Vollzeitstelle vorgesehen. (#whatsnext, Institut für Betriebliche Gesundheitsberatung GmbH und Techniker Krankenkasse, 2017).

Abhängig von Unternehmensgröße und Strukturen ist eine Vollzeitstelle keine generelle Notwendigkeit. Der Aufbau von Fachkompetenzen im eigenen Betrieb ist jedoch eine erforderliche Voraussetzung zur erfolgreichen Implementierung von BGM – nicht zuletzt, um sich nicht von externen Beratern abhängig zu machen. Das unterstreicht, wie wichtig die Qualifikation interner Akteure ist. Vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen.

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Zum Autor:
Diplom-Sportwissenschaftler (Schwerpunkt Ökonomie & Management) Simon Kellerhoff, geb. in 1983 und wohnhaft in Köln, ist seit 2010 als Vertriebs- und Marketingleiter für den Fachbereich Gesundheit & Wellness beim IST-Studieninstitut und der IST-Hochschule für Management mit Hauptsitz in Düsseldorf tätig. Er verantwortet unter anderem die Weiterbildungen und Studiengänge im BGM-Kontext, zu denen auch die berufsbegleitende Weiterbildung Betriebliches Gesundheitsmanagement (IHK) zählt, die das IST seit 2012 im Portfolio führt. Zudem vertritt er das IST regelmäßig bei Verbänden, wie dem BBGM e.V., in Netzwerken, auf Messen sowie im BGM-Prüfungsausschuss der IHK Düsseldorf.

Quellen:
BBGM (2017) Aus- und Weiterbildung, Bundesverband Betriebliches Gesundheitsmanagement e.V. (BBGM, Hrsg.), online im Internet, URL: http://www.bbgm.de/aus-und-weiterbildung/, Abrufdatum: 11.11.2017.

Institut für Betriebliche Gesundheitsberatung GmbH und Techniker Krankenkasse (2017) „#whatsnext – Gesund arbeiten in der digitalen Arbeitswelt“ ist eine Sonderveröffentlichung des Personalmagazins in Kooperation mit dem Institut für Betriebliche Gesundheitsberatung (IFBG, Hrsg.) und der Techniker Krankenkasse (TK, Hrsg.). online im Internet, URL: http://www.ifbg.eu/whatsnextbgm/, Abrufdatum: 05.11.2017.

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