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Aus der Praxis: „Es liegt auch in der Eigenverantwortung eines jeden Einzelnen“

Die Sozial-Holding der Stadt Mönchengladbach GmbH ist im Pflege und Dienstleistungsbereich zu Hause. Sie verfolgt das Ziel die Qualität und das Angebot im Pflege- und Dienstleistungsbereich für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Mönchengladbach zu sichern und stetig weiterzuentwickeln. In Zeiten von Pflegenotständen, Unzufriedenheit und Überforderung seitens der Arbeitnehmer, Arbeitgeber aber auch Patienten steht das Unternehmen mit insgesamt 900 Mitarbeitern vor großen Herausforderungen. Helmut Wallrafen ist Geschäftsführer der Sozial-Holding und hat bereits früh erkannt, dass es in einem physisch und psychisch so herausfordernden Arbeitsumfeld wichtig ist, sich neben der Gesundheit der Patienten auch um die Gesundheit der eigenen Mitarbeiter zu kümmern. 

Die Gesundheitsmanagerin und die Gesundheitsbeauftragten aus den Altenheimen freuen sich über den BGM-Preis der IHK. (Foto: Sozialholding der Stadt Mönchengladbach GmbH)

Was war für Sie der Grund für die Einführung eines strukturierten und umfassenden Betrieblichen Gesundheitsmanagements?

Helmut Wallrafen: Als wir im Jahr 2000 unser BGM implementierten, war diese Idee vor allem als Zeichen der Wahrnehmung von schwieriger körperlicher und geistiger Arbeit in der Altenpflege gedacht. Unser Symbol (der Apfel) wurde seitdem systematisch genutzt, um auf unsere Intention hinzuweisen.

Das Unternehmen bietet den Mitarbeiter*innen an allen Standorten regelmäßig gesunde Smoothies an. Mit dem Smoothie-Bike können diese auch selbst hergestellt werden. (Foto: Sozialholding der Stadt Mönchengladbach GmbH)

Was waren, ganz konkret, die allerersten Schritte, die Sie eingeleitet haben?

Helmut Wallrafen: Die Wahrnehmung von Belastungssituationen ist natürlich noch nicht die Lösung. Es gab im Jahr 2000 aber auch noch nicht eine so differenzierte und gute Unterstützung, wie heute z.B. von unserer IHK Mittlerer Niederrhein. Wir haben aus dem „Apfel als Symbol“ den täglich kostenlosen Apfel für die Beschäftigten in allen Arbeitsbereichen gemacht und dieser wurde in den Pausenräumen angeboten, damit diese auch zur regelmäßigen Pause genutzt werden. Die nächste Maßnahme ergab sich zufällig, wird aber bis heute sehr erfolgreich von den Beschäftigten angenommen: Die Massage am Arbeitsplatz! Einmal in der Woche ist unsere Partnerin (hat eine selbständige Praxis) in einer unserer Einrichtungen unterwegs und bietet 6 Massagen auf ihrem mobilen Massagestuhl an. So haben die Beschäftigten ca. sechs bis acht Mal im Jahr die Chance auf eine kostenlose Massage. Regelmäßig werden sie aber daran erinnert (wenn die Fachfrau im Haus ist), wie wichtig die Ruhephasen, das richtige Heben, etc. sind. Immer noch ist die Massage am Arbeitsplatz eine der am meisten geschätzten Maßnahmen.

Einmal im Jahr nehmen besonders sportliche Mitarbeiter*innen an einem Drachenbootrennen teil. (Foto: Sozialholding der Stadt Mönchengladbach GmbH)

Was war die größte Hürde, die Sie bei der Einführung eines BGM nehmen mussten?

Helmut Wallrafen: Es gab keine Hürden. Es fehlte anfangs das Bewusstsein – auch bei Führungskräften. Wir haben unser Angebot aber konsequent beibehalten. Auch zu Zeiten, als noch weniger als 10% der Beschäftigten sich an den Aktivitäten beteiligten.

Welche konkreten Maßnahmen und Angebote werden von den Mitarbeitern besonders gut angenommen?

Helmut Wallrafen: Die Massage am Arbeitsplatz. Die psychologischen Beratungen, die ein externes Unternehmen seit 2012 für unsere Beschäftigten anbietet. Dabei finden garantiert nach 14 Tagen spätestens die ersten Gespräche statt. Die „kleinen“ Hilfsmittel für die tägliche Pflegeunterstützung bei den Bewohner*innen. Der Gesundheitstag in den einzelnen Einrichtungen einmal im Jahr. Unser jährlicher Firmenlauf, den wir mittlerweile alleine im Hardterwald durchführen. Die Teilnahme am Firmenlauf im Hockeypark war -aus meiner Sicht- super, aber je populärer dieser Lauf wurde, desto mehr Rückmeldungen bekamen unsere Gesundheitsmanagerin, unsere Gesundheitsbeauftragten in jeder Einrichtung und ich, dass sich Kolleg*innen “nicht mehr vor so vielen Menschen präsentieren wollten“. Das haben wir natürlich verstanden und sofort berücksichtigt. Die Teilnehmer*innenzahlen sind im Hardterwald gestiegen, was die Ernsthaftigkeit der Aussagen unterstreicht.

Immer mehr Kollegen*innen nehmen am jährlichen Firmenlauf teil. (Foto: Sozialholding der Stadt Mönchengladbach GmbH)

Welche konkreten Maßnahmen/Angebote wurden von den Mitarbeitern gar nicht (sehr wenig) angenommen? Warum?

Helmut Wallrafen: Was überhaupt nicht erfolgreich läuft, sind die Angebote der Raucherentwöhnungskurse. Dieses Phänomen verfolge ich bei Männer und Frauen, seitdem ich in der Pflege tätig bin und das ist nun mittlerweile auch mehr als 40 Jahre.

Wie gehen Sie vor, wenn Mitarbeiter sich nicht dazu motivieren lassen mitzumachen?

Helmut Wallrafen: Vor 19 Jahren gestartet, bieten wir mindestens seit 15 Jahren systematisch Angebote zur Gesundheitsförderung kostenlos für unsere knapp 900 Beschäftigten an. Mittlerweile nutzen so um die 20% die Angebote regelmäßig. Alle anderen werden immer wieder auf unserer Mitarbeiter*innen Intranet-Seite „Gesundheit“ informiert und motiviert. Mehr können wir nicht tun und es liegt auch in der Eigenverantwortung einer/s jeden Einzelnen sich für oder gegen ein Angebot zu entscheiden.

Vielen Dank für das Interview!

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