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Vorbereitung: Fragen Sie doch einfach mal Ihre Krankenkasse

Betriebliche Gesundheitsförderung ist im Unternehmen schnell erlebbar und wirksam, meint Ulrich Rosendahl von der pronova BKK. Ulrich Rosendahl verantwortet als Ressortleiter bei der pronova BKK den Bereich der Gesundheitsförderung. Die pronova BKK unterstützt nicht nur Konzerne wie die Bayer AG, sondern auch viele kleine und mittelständische Unternehmen bei der Einführung und Weiterentwicklung der betrieblichen Gesundheitsförderung. Im Interview verrät er uns inwiefern Krankenkassen Unternehmen bei der Betrieblichen Gesundheitsförderung unterstützen können.

Ulrich Rosendahl, Ressortleiter des Bereichs Gesundheitsförderung bei der pronova BKK. (Foto: pronova BKK)

Herr Rosendahl, der Gesetzgeber hat 2015 das Präventionsgesetz verabschiedet und dort insbesondere die Krankenkassen verpflichtet, kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) bei der betrieblichen Gesundheitsförderung (bGf) zu unterstützen. Laufen Ihnen seitdem die Unternehmen die Türen ein?

Ulrich Rosendahl: Der Start war schwierig. Zwischenzeitlich erkennen aber immer mehr Unternehmer, dass die Gesundheit der Mitarbeitenden auch in den Unternehmenserfolg einzahlt. Die Mitarbeitenden müssen heutzutage länger arbeiten und Nachwuchs ist schwer zu finden. Die Demographie hat gravierende Auswirkungen für die Unternehmen.  So bald dann ein Gespräch mit uns geführt wird, ist die Akzeptanz und die Erkenntnis des Mehrwertes für das Unternehmen vorhanden.

Welche Hürden erkennen Sie bei den Unternehmen?

Ulrich Rosendahl: Zunächst müssen wir akzeptieren, dass KMU wenig personelle und finanzielle Freiräume haben, um sich dem Thema Gesundheit für die Mitarbeitenden anzunehmen. Dann ist ihnen häufig nicht bewusst, dass sie als Arbeitgeber zwar Beiträge zu Krankenkassen zahlen, diese ihnen dafür aber auch kostenfreie Leistungen anbieten. Und gerade von einer stabilen Gesundheit der Mitarbeitenden profitieren am Ende alle 3. Die Mitarbeitenden, das Unternehmen und die Krankenkasse. Hier müssen wir noch mehr Bewusstsein schaffen.

Wie unterstützen denn die Krankenkassen die Unternehmen?

Ulrich Rosendahl: Es ist schon lange bewiesen, dass höheres gesundheitliches Wohlbefinden über die Steigerung von Arbeitszufriedenheit, Motivation und Einsatzbereitschaft letztlich auch dem Unternehmenserfolg zugute kommt. Die Krankenkassen bieten deshalb interessierten Betrieben Unterstützung bei der Planung und Umsetzung betrieblicher Gesundheitsförderung an. Es gibt dafür einen Leitfaden zur Prävention, an dem sich alle Krankenkassen orientieren. Hier werden 6 Schritte für einen funktionierenden Ablauf dargestellt.

Und was heißt das konkret?

Ulrich Rosendahl: Das Wichtigste zuerst. Der Chef muss das die Gesundheitsförderung für seine Mitarbeitenden wirklich wollen. Dazu gehört in der (1.) Vorbereitung eine Beratung und Sensibilisierung von wichtigen Meinungsbildnern im Unternehmen. Diese sollten sich dann mit einem Steuerkreis eine schlanke (2.) Struktur schaffen, um Ziele zu definieren und zu verfolgen. Dafür benötigt es einer (3.) Analyse des Ist-Zustandes, bei der die Krankenkassen aus ihren Daten anonymisierte Erkenntnisse liefern und auch eine ebenfalls anonyme Mitarbeitendenbefragung durchführen können. Denn um diese Menschen geht es. Also fragen wir sie doch!

Das war es schon?

Ulrich Rosendahl: Nicht ganz. Mit den Erkenntnissen kann die Krankenkasse ein ganzes Bündel an wirksamen (4.) Maßnahmen vorschlagen. Aber eins nach dem anderen. Denn hier ist die Ressourcenplanung und Dringlichkeit in der (5.) Umsetzung zu priorisieren. Manchmal sind es einfach schlechte Verhältnisse am Arbeitsplatz, die vielleicht schnell änderbar sind. Dann geht es aber auch an das Gesundheitsverhalten der Mitarbeitenden, und das kann wieder mit vielfältigen Gesundheitsangeboten der Krankenkassen verbessert werden.

Klingt so, als ob die Kassen auch alle Kosten übernehmen würden.

Ulrich Rosendahl: Wir tragen auf jeden Fall unsere Dienstleistung im Rahmen der Beratungs- und Analysekosten selbst. Für die Gesundheitsmaßnahmen werden in der Regel externe Dienstleister eingebunden. Hier kommen dann verschiedenste Finanzierungsmodelle in Frage. Sinnvoll ist dabei durchaus, dass auch Mitarbeitende einen kleinen Teil dazu beitragen. Dann ist die Bereitschaft, die Maßnahme bis zum Ende durchzuführen, deutlich höher.

Überlassen Sie die Entwicklung dem Zufall?

Ulrich Rosendahl: Bloß nicht. Unternehmen wollen immer wissen, ob ihre Investitionen einen Gewinn bringen. Und das gilt auch hier. Die Entwicklung soll gemessen werden. Hier stehen neben den AU-Daten im Unternehmen und den Krankenkassen wieder die Mitarbeitenden im Mittelpunkt. Denn wenn sie merken, dass ihr Unternehmen sie wirklich wertschätzt und für ihre Gesundheit investiert, werden sie das auch bei weiteren Befragungen mitteilen. Daher ist eine (6.) Evaluation notwendig. Aber bGf ist kein Sprint, sondern ein sorgfältig trainierter Langstreckenlauf.

An wen muss ich mich als interessiertes Unternehmen denn wenden?

Ulrich Rosendahl: Sie können sich an jede Krankenkasse ihres Vertrauens wenden. Und wenn Sie die noch nicht haben, gibt es unter www.bgf-koordinierungstelle.de eine neutrale Plattform aller Krankenkassen mit weiteren zusätzlichen Informationen.

Was ist ihr abschließender Rat?

Fragen Sie doch mal Ihre Krankenkasse, was sie für Sie und Ihre Mitarbeitenden tun kann.

Vielen Dank Für das Interview!

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