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Aus der Praxis: „Uns ist es wichtig alle Mitarbeiter zu erreichen“

Die Laufenberg GmbH in Krefeld zählt seit über 70 Jahren zu den führenden Herstellern von Release-Linern in Europa. Die 200 Mitarbeiter des Industrieunternehmens arbeiten in sehr unterschiedlichen Arbeitsumgebungen (Produktion und Verwaltung) und sind verschiedenen gesundheitlichen Risiken ausgesetzt. Die Laufenberg GmbH sagt über sich selbst, dass die eigenen Mitarbeiter das wichtigste und wertvollste Kapital der Firma sind. Die Gesunderhaltung und Zufriedenheit der Mitarbeiter liegt ihnen daher sehr am Herzen. In einem Interview verrät uns das Team Betriebliches Gesundheitsmanagement, wie die Laufenberg GmbH an das Thema BGM herangegangen ist, welchen Herausforderungen sie auf dem Weg begegnet sind und welchen Tipp sie für Unternehmen haben, die den Schritt in Richtung Einführung eines BGM wagen wollen.

BGM-Preis Mittlerer Niederrhein: IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz (links) und Jury-Mitglied Prof. Dr. Lutz Packebusch (rechts) überreichen den Geschäftsführern Stephanie und Jörg Soding (2. u. 3. v.r.) und dem BGM-Team der Laufenberg GmbH den ersten Preis in der Kategorie „Mittlere Unternehmen mit 50 bis 500 Mitarbeitern“.
(Foto: IHK Mittlerer Niederrhein).

Die Laufenberg GmbH hat bereits 2002 begonnen sich mit dem Thema „Betriebliche Gesundheitsförderung“ auseinanderzusetzen. Zu dieser Zeit hatte BGM für die meisten Unternehmen noch keine so hohe Relevanz wie im Jahr 2019. Wie kam es dazu, dass die Laufenberg GmbH das Thema bereits so früh für sich erkannt hat?

Team BGM: 2002 haben wir erstmals eine Mitarbeiterumfrage durchgeführt. Auf Grund der guten Resonanz und der für uns interessanten Ergebnisse bezüglich der individuellen Situationen am Arbeitsplatz, haben wir uns dann dazu entschlossen die Umfragen im 5-Jahres-Rhythmus durchzuführen. Um nicht nur auf die Umfragen zu reagieren und entsprechende Maßnahmen einzuleiten, entschlossen wir uns 2013 einen Arbeitskreis „Betriebliches Gesundheitsmanagement“ (AKBGM) ins Leben zu rufen, um aktiv für Verbesserungen zu sorgen und möglichst viele Mitarbeiter zu erreichen.

Mit welchen Aspekten des BGM haben Sie sich zuerst befasst, welche Themen kamen später dran? Warum?

Team BGM: Als oberste Priorität und als wichtigste Basis haben wir den Gesundheitsschutz gesehen. Also die menschengerechte Gestaltung der Arbeit, Prävention arbeitsbedingter Gesundheitsstörungen und Berufserkrankungen, Verhütung von Unfällen und arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren. Nach diesen Kriterien haben wir uns in Zusammenarbeit mit unserer Sicherheitsfachkraft jeden Arbeitsplatz angesehen. Später kam auch der Aspekt der Gesundheitsförderung, die Verbesserung der Gesundheit und des Wohlbefindens der Mitarbeiter bei der Arbeit hinzu.

Die Einrichtung einer E-Bike Ladestation ist eines der Angebote, das für die Mitarbeiter im Rahmen der Gesundheitsförderung gechaffen wurde. (Foto: Laufenberg GmbH)

Was war die größte Hürde, die die Laufenberg GmbH bei der Einführung des BGM nehmen mussten? Wie haben Sie die Hürde gemeistert?

Team BGM: Als schwierigste Hürde sehen wir die sehr unterschiedlichen Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen in unserem Betrieb. Uns ist es wichtig, alle Mitarbeiter zu erreichen. Jedoch gibt es Maßnahmen, die wir gerne durchführen möchten, die aber dann auf Grund der Situation am Arbeitsplatz oder dem Thema Schichtarbeit nicht grundsätzlich für alle Mitarbeiter wahrgenommen werden können. Hier ist immer die Frage was können wir anbieten ohne, dass es eventuell zu Unfrieden in einigen Bereichen kommt. Da wir uns dieser Situation bewusst sind, können wir das bei allen Planungen berücksichtigen. So können wir mal ein Angebot machen, welches für alle Mitarbeiter ist und ein anderes Mal kann das Angebot nur durch die Mitarbeiter der Produktion oder durch die Mitarbeiter der Verwaltung wahrgenommen werden.

Es werden Angebote geschaffen, die Mitarbeiter aus allen Bereichen nutzen können – hier ein Beispiel für die Mitarbeiter in der Produktion. (Foto: Laufenberg GmbH)

Betriebliches Gesundheitsmanagement beschäftigt sich sowohl mit der physischen als auch der psychischen Gesundheit der Mitarbeiter. Können Sie jeweils Beispiele von Maßnahmen nennen, die Sie in diesen beiden Bereichen anbieten? Warum bieten Sie genau diese Maßnahmen an?

Team BGM: Als Beispiel für physische Belastungen haben wir in Zusammenarbeit mit einem Physiotherapeuten uns die Haltung der Mitarbeiter während diversen Tätigkeiten an der laufenden Maschine angeschaut. Den Mitarbeitern wurden wertvolle Tipps gegeben und es wurden Hilfsmittel angeschafft, wie z.B. Knieschoner, für Arbeiten im Knien. Auch für die Mitarbeiter, die einen Schreibtischarbeitsplatz haben, haben wir eine Rückenfitschulung angeboten. Hier wurden Übungen gezeigt, um den Rücken zu entlasten und zu stärken. Zusätzlich wurden Stehschreibtische, je nach Bedarf des jeweiligen Mitarbeiters, angeschafft. Da auch das Thema psychische Erkrankungen immer aktueller wird, wurden unsere Vorgesetzten geschult, wie mit dem Thema umgegangen werden sollte und sensibilisiert, eventuelle Anzeichen frühzeitig zu erkennen. In diesem Zusammenhang wurde auch die E-Mail freie Zeit am Wochenende eingeführt.

Entspannen und wohlfühlen: Pausenbereich mit Tischen, Bänken und Sitzsäcken für die Mitarbeiter. (Foto: Laufenberg GmbH)

Welchen Tipp haben Sie für Unternehmen die heute an dem Punkt stehen, an dem Sie 2002 standen, als Sie sich zum ersten Mal mit Betrieblicher Gesundheitsförderung auseinandergesetzt haben?

Team BGM: Aus unserer Sicht war es wichtig uns erst einmal einen Gesamteindruck über die Ist Situation zu erlangen. Auch war uns wichtig alle Mitarbeiter zu erreichen, sodass wir in unserem Arbeitskreis aus allen Bereichen Vertreter haben. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Krankenkassen im Thema Betriebliches Gesundheitsmanagement sehr gut aufgestellt sind und gerne unterstützen. Das Thema ist mittlerweile sehr aktuell und man steht auf keinen Fall alleine da.

Vielen Dank für das Interview!

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