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Aus der Praxis: „BGM ist mehr als ‚nice to have‘“

Die Alberdingk Boley GmbH aus Krefeld gestaltet Betriebliches Gesundheitsmanagement mit viel Power und Begeisterung. Dafür wurde das Unternehmen 2019 mit dem dritten Preis in der Kategorie „Mittlere Unternehmen“ von der IHK Mittlerer Niederrhein ausgezeichnet. Geschäftsführer Thomas Hackenberg und Martina Bielen, zuständig für Presse- und Unternehmenskommunikation, erläutern die Gründe für die Einführung eines strukturierten und umfassenden BGM und wie sie das Thema erfolgreich umsetzen.

BGM-Preis der IHK Mittlerer Niederrhein: IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz (links) und Jury-Mitglied Prof. Dr. Lutz Packebusch (rechts) überreichen Martina Bielen und Thomas Hackenberg (mitte) von der Alberdingt Boley GmbH
den dritten Preis in der Kategorie „Mittlere Unternehmen mit 50 bis 500 Mitarbeitern“ .

Was war für die Alberdingk Boley GmbH der ausschlaggebende Grund für die Einführung eines strukturierten umfassenden Betrieblichen Gesundheitsmanagements?

Thomas Hackenberg: Die Motive sind vermutlich bei den meisten Unternehmen gleich: Krankenquote reduzieren, Motivation und Mitarbeiterzufriedenheit steigern. Gleichzeitig erhöhen wir die Arbeitgeberattraktivität: Als mittelständisches Unternehmen stehen wir auf dem Arbeitsmarkt im Wettbewerb zu großen Unternehmen. Insbesondere die junge Generation glaubt häufig, dass Konzerne die besseren Arbeitsbedingungen anbieten. Dem wirken wir entgegen mit einem Bündel von Maßnahmen, BGM ist eine davon.

Martina Bielen: BGM ist mehr als ‚nice to have‘, es sensibilisiert für das Thema. Krank können Sie das Leben nicht mehr in vollen Zügen genießen. Mit BGM machen wir deutlich: Jeder kann etwas tun für die eigene Gesundheit und mehr Wohlbefinden. Die meiste Zeit des Tages verbringt ein berufstätiger Mensch im Job, also wollten wir hier entsprechende Möglichkeiten bieten.

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Wie ist die Geschäftsführung am BGM beteiligt?

Thomas Hackenberg: Sie ist Initiator des Betrieblichen Gesundheitsmanagements und Mitglied des Gesundheitszirkels.

Martina Bielen: Unser Gesundheitszirkel besteht aus Kolleginnen und Kollegen, die aus verschiedenen Bereichen kommen, der Geschäftsführung und dem Betriebsrat. Zusätzlich werden wir unterstützt durch einen Arbeitsmediziner. Wir möchten möglichst alle Interessen der Mitarbeiter berücksichtigen. Der Gesundheitszirkel beschließt gemeinschaftlich künftige BGM-Maßnahmen, er tagt alle vier bis sechs Wochen. Für „den Blick über den Tellerrand hinaus“ laden wir Externe ein, z.B. von Krankenkassen, verschiedenen Gesundheitseinrichtungen, und auch BGM-Verantwortliche anderer Unternehmen. An dieser Stelle möchte ich mich gern direkt an Interessenten wenden: Liebe Leserinnen und Leser, falls Sie sich gern mit uns austauschen möchten, nur zu! Unsere BGM-Verantwortliche, Martina Küsters, erreichen Sie mit einer Email an martina.kuesters@alberdingk-boley.de

Welchen Vorteil sehen Sie darin, strukturiert an das Thema heranzugehen?

Thomas Hackenberg: Dass wir Maßnahmen planen und nach Durchführung bewerten, Mitarbeitervorschläge mit einbeziehen und unser Ziel nicht aus den Augen verlieren.

Mit welchen Aspekten des BGM haben Sie sich zuerst befasst, welche Themen kamen später dran? Warum?

Thomas Hackenberg: Aufgrund der anonymisierten Analyse der Ausfallzeiten in Zusammenarbeit mit einer Krankenkasse ergaben sich zwei Schwerpunktthemen: Atemwegserkrankungen und Rücken- und Gelenkprobleme. Diesen Themen haben wir uns zuerst gewidmet mit einer Rückenschule und einem Nichtraucherkurs.

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Martina Bielen: Weil Rückenprobleme auch psychosomatisch bedingt sein können, haben wir das Angebot erweitert um Yoga, Entspannungskurse und einen Fitnesskurs. Dabei stellte sich schnell die Erkenntnis ein, dass bestimmte Angebotsinhalte nicht in allen Unternehmensbereichen funktionieren. Mit Yoga erreichen wir bei uns eher Kollegen aus der Verwaltung und dem Labor. Kollegen aus der Produktion sprechen eher auf Functional Training an und Ernährungsworkshops für Schichtarbeiter.

Thomas Hackenberg: Rückenprobleme können ja auch durch falsches Heben oder Sitzen entstehen, deshalb hört BGM bei uns nicht bei der Rückenschule auf –höhenverstellbare Schreibtische oder hydraulische Sacklifter zählen für uns mit zum Gesundheitsschutz.

Massage und alternative Heilangebote wie Reiki und Heilpraktiker.

Was war die größte Hürde, die Sie bei der Einführung eines BGM nehmen mussten? Wie haben Sie die Hürde gemeistert?

Martina Bielen: Es war gar nicht so schwer. Am Anfang war BGM ein unbeschriebenes Blatt. Welche Schwerpunkte wollen wir setzen? Welche Maßnahmen werden bezuschusst durch Krankenkassen? Welche Einrichtungen sind besonders gut? Welche Trainer motivieren und inspirieren? Welche Kursinhalte sprechen die Kollegen an? Viel Unterstützung haben wir durch Krankenkassen erfahren. Hilfreich waren BGM-Veranstaltungen, z.B. bei der IHK und anderen Einrichtungen. Bei solchen Events entsteht häufig ein Netzwerk, das alle weiterbringt.

Wie gehen Sie vor, um alle Mitarbeiter – auch solche ohne Schreibtischarbeitsplatz oder in Schichtarbeit – für das Thema Gesundheit zu motivieren?

Thomas Hackenberg: Monat für Monat bieten wir neue Kurse und Aktionen an, daher bleibt das Thema aktuell. Auch unsere monatliche Gratis-Obst-Aktion kommt gut an, damit werben wir für gesunde Ernährung. Zudem spricht sich herum, wenn Kurse besonders gut ankommen. Mitarbeiter in der Schichtarbeit wollen möglichst viel zeitliche Flexibilität. Feste Inhouse-Kurse funktionieren für sie nicht so gut, daher haben wir Zehnerkarten mit Fitness-Centern und Physiotherapeuten ausgehandelt, die während der laufenden Geschäftszeiten eingelöst werden können. Mittlerweile haben wir Massage, einen Fitnesskurs und die Yogaschule als ganzjährige Maßnahmen eingerichtet.

Martina Bielen: Mitarbeiter ohne Schreibtischarbeitsplatz gibt es bei uns viele, z.B. in der Produktion. Wir haben zwischenzeitlich einen „firmeninternen Fernsehsender“ mit Bildschirmen in der Produktion und im Pausenraum installiert. Hierüber informieren wir auch über die neuesten BGM-Maßnahmen. Zusätzlich nutzen wir die Mitarbeiterzeitung, schwarze Bretter und das Intranet, so dass alle auf dem Laufenden sind. Das funktioniert ganz gut: Zahlreiche Kurse sind nach Veröffentlichung rasch ausgebucht.

Thomas Hackenberg: Sie haben uns eingangs auf unsere ursprünglichen Motive angesprochen. Wir können bestätigen, dass wir unsere Ziele erreicht haben und darüber hinaus noch sehr viel mehr. In unserer kürzlich durchgeführten Zufriedenheitsumfrage berichteten viele Teilnehmer vom „Wir Alberdingker-Gefühl“. Die sehr hohe Zufriedenheitsquote bei Alberdingk Boley hat uns erneut eine Auszeichnung als TOP JOB-Arbeitgeber eingebracht. BGM wurde bei der Umfrage hoch gelobt. Wir können Betriebliches Gesundheitsmanagement aus Überzeugung empfehlen!

Vielen Dank für das Interview!

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